Terrakotten auf der Hofseite sollen restauriert werden

Geschichte der Terrakotten

 

 Aus der Restaurierungskonzeption der Restauratoren M.  Zahn und M- Bresin:

 

Die an den Fassaden verbauten Terrakotten stammen überwiegend noch aus der Erbauungszeit des Schlosses in den Jahren 1571 bis 1573. Es wird angenommen, dass man für den Bauschmuck den noch vorhandenen Vorrat an übriggebliebenen Terrakotten von den Schlössern in Wismar und Schwerin verwendete. Ursprünglich stammten aus der Lübecker Werkstatt Statius von Düren. Da die Terrakottaplatten unterschiedliche Formate hatten, glich man in Gadebusch die Höhenunterschiede durch Backsteine aus (siehe: Elke Onnen, 1995). Die Terrakotten am Gadebuscher Schloss sind relativ gut und vollständig erhalten. Aus diesem Grund ist der Bauschmuck besonders wertvoll und verdient größte Beachtung.
1896 hat eine Sicherung der Gesimsabdeckung mit einer dünnen Zementschicht stattgefunden (Claudia Hennrich, 1993). Auf den Fotos vom Ende des 19. Jahrhunderts (F. Schlie, Band II) sind keine Blechabdeckungen auf den Gesimsen vorhanden.
Von 1903 bis 1908 wurden bei der Restaurierung und Überarbeitung der Fassaden durch Landbaumeister Gustav Hamann ein Teil der Terrakotten erneuert und mit dem eingestempelten Herstellungsdatum gekennzeichnet (z. B. 1903). So wurden die Lünettengiebel am südlichen Treppenhaus und am Westgiebel nach einem Stich aus dem 17. Jahrhundert von Merian und in Anlehnung an die alten Giebel des Schweriner Schlosses neu hergestellt. Die Umrandungen der Erdgeschossfenster aus profilierten Terrakotten an der Südfassade stellte Hamann nach Befunden wieder her. Die Binderschichten aus Backsteinen auf den Gesimsen wurden bei den Restaurierungsmaßnahme als ursprünglich (renaissancezeitlich) erkannt, belassen und mit Blechen abgedeckt (siehe: Claudia Hennrich, 1993).
Nach Auskunft eines Bauunternehmers aus Gadebusch wurden die Terrakotten um 1990 an Ost, West und Südseite (Hofseite) mit Wasser und Bürsten gereinigt und anschließend mit Schalungsöl eingestrichen. 1991 erfolgte auf der Nordseite eine Behandlung mit einem wasserabweisenden und atmungsaktiven Imprägnierungsmittel (Siloxan, siehe: Claudia Hennrich, 1993). 
Ursprünglich fasste man die Terrakotten farblich, so wurden Bleiweiß und auch das Blaupigment Smalte als unterste Anstriche nachgewiesen. (siehe Prof. Elisabeth Jägers: Schloss Gadebusch – Fassung Teracotta, Naturwissenschaftliche Untersuchung an Fassungsproben; 1994)
Ein Anstrich mit Bleiweiß und eine blaue Abfärbung der Rücklagen konnte auch an den Terrakotten am Fürstenhof in Wismar und am Schloss in Schwerin für die Renaissance festgestellt werden. 
Die jüngsten Farbschichtreste auf den Terrakotten in Gadebusch sind rot. Hierbei handelt es vermutlich um eine Farbgebung aus dem 19. Jahrhundert (wahrscheinlich beim Umbau zum Amt und Amtsgericht 1878/79). Den Fugenmörtel zwischen den Terrakotten hatte man zu dieser Zeit ebenfalls rot durchgefärbt. Wenige Reste von diesen haben sich erhalten. Bei den nachfolgenden Sanierungen erfolgten offenbar keine weiteren Anstriche der Terrakotten und keine Durchfärbung des Fugenmörtels. Fotos nach der Sanierung durch Gustav Hamann zeigen, dass der Fugenmörtel nicht mehr dunkel gefärbt war.
Bis heute haben sich kleinere Bereiche mit Fassungsresten auf den Terrakotten erhalten.

 

Analysearbeiten

2018 und 2019 wurde auf unserem Schloss viel gearbeitet. Die Restauratoren (Herr Mathias Zahn und Herr Mathias Bresin)  haben sich das Schloss sehr genau angesehen. U.a. wurde jede Terakotte analysiert., jeder Spalt im Mauerwerk begutachtet. AUf dieser Grundlage wurde u.a. ein Konzept für die Restaurierung der Terrakotten an den verschiedenen Aussenwänden erstellt. So wurden die Terrakotten abhängig vom Zustand in eine von 6 Schadenstufen eingeteilt. Im Folgenden sind einige Beipiele für die Qualität der Terrakotten dargestellt:

Der Aufwand für die Restaurierung jeder einzelnen Terrakotte wurde geschätzt und die Vorgehensweise dabei vorgeschrieben. Es soll ja mal richtig gut aussehen, ähnlich dem Original und lange halten. Die folgende Zeichnung zeigt den Zustand der einzelnen Terrakotten auf einem Teil der Hofseite:

Finanzierung

Die Fassaden des Hauptgebäudes (Renaissanceschloss) wurden ) in drei Abschnitte geteilt:
1. Fassaden Wendelstein einschl. Stuck und Terrakotten (Portale) innen,
2. Fassaden Süd und West,
3. Fassaden Nord und Ost.

Die Aufteilung soll die Chancen auf Fördermittel erhöhen.

Folgende Maßnahmen sind zur Sanierung vorgesehen:
- Entfernung Altputz + Neuverputz,
- Risssanierung  mit teilweiser statischer Ertüchtigung,
- Terrakottasanierung,
- Instandsetzung + Überarbeitung der Fenster,

 

Aktuell wurden Mittel für den  2. Fassadenabschnitt beantragt, der die Sanierung des links vom Südgiebel (Wendelstein) liegenden Teiles der Südseite und das daran anschließenden Westgiebels beinhaltet. Der Traufbereich am Dach wird dabei noch ausgespart, weil Arbeiten daran gegenwärtig nicht möglich sind.
Die denkmalrechtliche Genehmigung für diese Arbeiten liegt vor.

Dieser Abschnitt wurde ausgewählt, weil vermutlich so die finanztechnisch größten Chancen besteht und weil dieser Abschnitt im Moment den größten „Mehrwert“ bringt. Der Vorteil wäre hierbei eine Verbesserung einer eindrucksvollen Wahrnehmbarkeit von außen und die Verbesserung für die Nutzung der Innenräume hinsichtlich Beleuchtung, Wetterschutz etc.

 

Sicherlich würde viel dringender Geld für die Sanierung der Remise benötigt, aber dort besteht momentan keine Chance auf Fördermittel.

Die jetzt erforderlichen Mittel in Höhe von knapp 650 T€ wurden bei folgenden Institutionen beantragt:
BKM (Bundesbeauftragte für Kultur und Medien)
LAKD (Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis NWM (10 T€ / bereits zugesagt).

Wenn eine Förderung erfolgt, gibt es bis  April noch eine Information, so dass noch 2020 mit dem Bauen begonnen werden kann!